Die HNA berichtete am 4.2.2010 online

 

Schnelle Erste Hilfe ist garantiert: elf Schüler wurden zum Sanitäter ausgebildet

Schreie und falsches Blut

Katlenburg-Lindau. Blinkendes Blaulicht: Vor dem Eingang der Sporthalle in Lindau steht ein Krankenwagen mit laufendem Motor, drinnen liegt der 13-jährige Sören-Benedict Richardt auf dem Boden. Der hat sich beim Sportunterricht einen offenen Schienenbeinbruch zugezogen und jammert Mitleid erregend.
  Trotzdem gibt es viele fröhliche Gesichter. Zwar sieht das blutverschmierte Bein mit der Wunde, aus der ein Knochensplitter herausragt, täuschend echt aus, doch ist alles nur gespielt. Jugendrotkreuzleiter Christian Vogel hat bei der Präparierung des angenommenen Bruchs ganze Arbeit geleistet und Sören-Benedict bringt seine zum Glück nicht vorhandenen Schmerzen völlig überzeugend und vor allem mit einer bewundernswerten Kondition herüber.

Gespielter Ernstfall

Dieser gespielte Ernstfall, der jederzeit auftreten kann, wird von allen Schülern und Pädagogen der Haupt- und Realschule von der Tribüne aus verfolgt. Rektor Rolf Huchthausen macht deutlich, wie wichtig in solch einem Fall schnelle Hilfe ist. Die hat die Lehranstalt jetzt ständig vor Ort, denn elf Schüler haben sich vom DRK in mehreren Wochen zum Schulsanitäter ausbilden lassen.

Realistischer geht’s kaum: Mit dem Schminkset hatte Christian Vogel einen offenen Knochenbruch dargestellt.    Foto: Oschmann

 
 

Zwei von ihnen sind Timo Wende und Norman Hagemann, die sich um ihren verletzten Mitschüler kümmern. „Es tut so weh, gebt mir Medikamente“ und „Ich will zu meiner Mama“: Sören-Benedict redet fast ohne Unterbrechung auf die Helfer ein, jammert sich die Seele aus dem Leib. Timo wirkt beruhigend auf ihn ein, während Norman professionelle Hilfe anfordert.

Der Bruch wird von den Schülern mit einem Ringpolster versehen, der Verletzte in eine Rettungsfolie gehüllt. Dann kommen die Profis vom Roten Kreuz. Für Timo und Norman ist der Einsatz damit aber nicht beendet. Sie sind als Assistenten gefordert, begleiten den Verletzten im Ernstfall sogar bis ins Krankenhaus, erläutert Markus Schiffer vom DRK.

DRK-Chef Herbert van Loh erläutert, dass es innerhalb des Kreisverbandes Göttingen-Northeim derzeit 17 Lehranstalten mit ausgebildeten Schulsanitätern gibt. „Und es dürfen gern noch mehr werden.“ Interessierte Schulen können sich an Markus Schiffer (Telefon 0551 - 38903-53 / E-Mail m.schiffer@drk-goe-nom.de) wenden.

Spende für Haiti

Rektor Huchthausen hatte für Herbert van Loh eine Überraschung parat. Er überreichte 300 Euro als Spende für die Erdbebenopfer von Haiti. Das Geld hatten die Schüler gesammelt.

Die Schule bekam auch etwas. Für die frisch gebackenen Schulsanitäter hatte Heinz-Georg Dreyer von der Barmer Erste-Hilfe-Sets im Gepäck.

Von Hans-J. Oschmann