Zehnthaus und Waffenlabor

Abwechslungsreich wie die Zeiten ist auch die Geschichte des Mushauses, dessen Entstehung wahrscheinlich in die Zeit um 1300 fällt. Im Jahre 1519 übernimmt das Erzstift Mainz den Besitz in Lindau und verteidigt ihn kräftig.

Im 30jährigen Kriege wird die Lindauer Burganlage zerstört, nur das Mushaus bleibt erhalten. 1648 wird es gründlich renoviert, worauf steinerne Inschriften noch heute hinweisen. Eine neue Nutzung gibt es nach 1872: August Greve kauft das Gebäude, um dort eine Jutefabrik zu installieren. Dafür eignet es sich nicht und es werden Arbeiterwohnungen darin eingerichtet.

Die nächste Neunutzung gibt es im Jahre 1943, als ins Mushaus Wissenschaftler einzogen, die im Auftrage der Nazi-Führung an mehr oder weniger geheimen Waffenprojekten arbeiteten (Torpedos und Luft-Luft-Raketen). Nach dem Kriege werden Büros, Bibliothek und Kantine des Frauenhofer-Radio-Institutes im Mushaus untergebracht. heute steht das Gebäude im Besitze der Firma Kordes.

 

Auf der Suche nach dem Goldschatz

Das Lindauer Mushaus birgt noch viele Geheimnisse in sich. Einige sind jetzt allerdings aufgeklärt.

Das monumental anmutende Gebäude im Lindauer Ortskern steht schon lange Zeit leer. Ein Nutzungskonzept für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist bislang noch nicht gefunden - zum Bedauern der Besitzerfirma.

Mehr Freude an diesem Objekt hatte Professor, Diplom-Ingenieur und Architekt Thumm vom Institut für Restaurierung und Baudenkmalpflege an der Fachhochschule Hildesheim-Holzminden-Göttingen. Er entdeckte zwei ungewöhnliche Dinge:

- ein sehr niedriger, verwinkelter Keller, der vermuten lässt, dass sich im Erdreich noch archäologische Funde verbergen, die interessanten Aufschluss über die Geschichte und Nutzung des Hauses geben können.

- Die Bauherren verwandten ein sehr seltenes Konstruktionsprinzip für die Decken der Geschosse. Die Holzbohlen wurden seitlich auf Balken gelagert, die durch Metallanker an den Wänden gehalten werden. Das kommt in dieser Form nur sehr selten vor.

Doch auch die exakte, wissenschaftliche Untersuchung des Gebäudes lässt immer noch Fragen offen. Was beispielsweise befindet sich wohl in jenem verschlossenen Kellerraum, der auch diesmal nicht geöffnet wurde; vielleicht der geheimnisvolle Goldschatz?

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