HNA online vom 23.2.2006                                                                                                          Von Hans-J. Oschmann

 

Bewerbung ohne Fettfleck

IKK übt mit Schülern den Sprung ins Berufsleben

Zeigten viel Interesse: Die Schüler der Abschlussklasse der Haupt- und Realschule Lindau bekamen von den Coaches Uwe Weber, Bianca Efoghe und Claudia Johanning (von rechts) viele Tipps für die eigenen Bewerbungen.

Rechts im Bild Unternehmer Hermann-Josef Hupe, der die Räume seines Unternehmens Meyer-Bau für die Aktion zur Verfügung stellte.

 

FOTO: OSCHMANN

 

katlenburg-lindau. Wenn sich Schüler um einen Ausbildungsplatz bewerben, ist das ein hartes Stück Arbeit, das gut vorbereitet sein sollte. Denn der Eindruck, der in persönlichen Vorstellungsgesprächen oder auch nur durch die Bewerbungsmappen entsteht, sollte das beste Licht auf den Kandidaten werfen. In der Praxis sieht das häufig ganz anders aus. "Die Bewerbungsmappen sind oft unter aller Kanone", nimmt Claudia Johanning kein Blatt vor den Mund, verweist dabei auf störende Elemente wie Fettflecken und peinliche Rechtschreibfehler hin.
 
Johanning ist einer von drei Bewerbungscoaches der Innungskrankenkasse (IKK) Northeim, die an diesem Tag Schüler der Abschlussklasse der Haupt- und Realschule Lindau bei ihrem Sprung ins Berufsleben das richtige Rüstzeug vermitteln wollen. Raus aus der Schule, rein in die Räume des benachbarten Unternehmens Meyer-Bau von Kreishandwerksmeister Hermann-Josef Hupe. "Die fremde Umgebung spielt eine wichtige Rolle", erläutert Bianca Efoghe, weil sich die Schüler dort ganz anders benehmen.
 
In der Gruppe geben sich die Schüler locker, doch wenn sie einzeln in die simulierten Vorstellungsgespräche in die Nebenzimmer müssen, können die meisten ihre Nervosität und Unsicherheit nicht verbergen. Das liegt vor allem daran, dass einige zwar ein Berufsziel vor Augen haben, aber weder wissen, wie sie es erreichen noch welche Voraussetzungen sie dafür mitbringen noch wo sich sich bewerben müssen. "Ich versuche immer herauszufinden, wo die Stärken und Schwächen der Schüler liegen", erklärt Bianca Efoghe. Wenn die mit dem Berufswunsch nicht zu vereinbaren sind, werden Bedenken geäußert. Sehr oft zu beobachten: "Schüler treten entweder mit zu wenig oder zu viel Selbstbewusstsein auf", ist Claudia Johanning aufgefallen.
 
Rektor Rolf Huchthausen schaut beim Bewerbungstraining vorbei, erfährt, dass die Schüler "anständig mitarbeiten". Natürlich weiß der Pädagoge von den vielfältigen Problemen der Schüler, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. "Die Berufswünsche der Schüler sind häufig weit entfernt von der Realität", sagt Huchthausen. Formulierungen wie "Ich will was mit Computern machen..." reichen natürlich nicht aus. Der Rektor legt die Finger in die Wunde: "Viele, die draußen stehen, also keinen Ausbildungsplatz haben, sind an ihrer Lage selbst schuld, weil sie zu wenig an Qualifikation mitbringen. Wer nicht einmal die einfachste Prozentrechnung beherrscht, darf sich nicht wundern", betont Huchthausen. Er bedauert, dass den Schulen aus vielerlei Gründen die Hände gebunden sind, den Nachwuchs in speziellen Gebieten mehr mit auf den Weg zu geben.
 
Claudia Johanning hat festgestellt, dass die Schüler breit gestreut über ein dürftiges Allgemeinwissen verfügen. "Wenn ich frage, wer Zeitung liest oder die Tagesschau sieht, bleiben die Finger unten." Die genannten Mankos und Bildungslücken der Schüler sind eine Zusammenfassung von vielen Bewerbungstrainings, also keineswegs spezifisch für die Lindauer Schüler.